
Wo sich heute das Hotel Artner und ein Supermarkt am Kaiser-Franz-Josef-Ring befinden, stand einst eines der renommiertesten Hotels Badens: das Hotel Brusatti. Benannt nach seinem Besitzer Alois Brusatti (1850–1932), der später auch Bürgermeister der Kurstadt wurde, entwickelte sich das Haus um die Jahrhundertwende zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt Badens. Hier traf sich die feine Kurgesellschaft ebenso wie Vereine, Künstler und Politiker. Bälle, Konzerte, Vorträge und Festveranstaltungen gehörten zum Alltag des Hotels. Der Badener Komponist und Chorleiter Bernhard Nefzger arbeitete sogar regelmäßig im Café Brusatti und besaß dort ein eigenes Fach für seine Noten und Manuskripte.
Auch Geschichte wurde hier geschrieben: Am 19. Februar 1899 gründete sich im damaligen Hotel Nagel und Brusatti die Fußballsektion des Badener AC. 1923 entstand im Hotel die Badener Urania, und 1931 fanden während einer internationalen Pfadfinderkonferenz die offiziellen Mittagessen im Brusatti statt. In den 1930er-Jahren diente das Haus zudem als Veranstaltungsort großer monarchistischer Versammlungen. In den 1930er-Jahren fanden im Hotel große monarchistische Veranstaltungen statt. Zeitungsberichten zufolge strömten zeitweise rund 500 Besucher in das Haus, sodass Lautsprecher sogar in Nebenräumen aufgestellt werden mussten. Nach dem „Anschluss“ Österreichs wurde das Hotel vorübergehend sogar als Quartier einer bayerischen Flak-Einheit genutzt.
Das Hotel Brusatti war damit weit mehr als eine Unterkunft – es war über Jahrzehnte ein Ort, an dem sich das gesellschaftliche, kulturelle und politische Leben Badens bündelte.