
Der Platz, an dem sich heute die spektakuläre Aussichtswarte
befindet, hat eine bewegte Vergangenheit. Auf einem Ausläufer des
Hühnerbergs – der auch Richtberg genannt wird – im oberen Teil des
Kurparks stand im Mittelalter ein gemauerter Galgen, der damals die
höchste Richtstatt des Landes darstellte. Der Sage nach wurde dort im
Jahr 1466 der böhmische Rebell und Anführer einer Räuberbande, Franz von
Haag, hingerichtet. Der Hauptmann, der am Hof von Kaiser Friedrich III.
erzogen worden war, nahm um 1463 mit etwa 400 Mann vorübergehend auch
Burg Rauheneck und Schloss Weikersdorf ein, um seinen Sold zu erpressen,
den ihm die kaiserliche Familie nicht bezahlt hatte.
Ansonsten wurde dieser Galgen so gut wie nie in Betrieb genommen, da er
sich zu weit außerhalb der Stadt befand und der Aufstieg den Badnern zu
beschwerlich war. Man begrub dort allerdings häufig Selbstmörder, die
nicht auf einem christlichen Friedhof bestattet werden durften. 1788 ist
der Galgen wieder entfernt worden.
1884 ließ Theresia Göschl hier eine 16 m hohe Aussichtswarte bauen,
die 2014 wegen des zunehmenden Verfalls der Holzkonstruktion abgetragen
werde musste. 2016 wurde der 18,5 m hohe moderne Neubau eröffnet.
Der richtige Galgen von Baden befand sich übrigens am Ziegelstadel vor
der heutigen Martinek-Kaserne. An ihn erinnert eine Steinsäule auf der
Höhe des Hauses Vöslauer Straẞe 104.
Der Hühnerberg hat der Legende nach seinen Namen vom
Riesen Hun, der Baden gegründet haben soll und nun in einer Höhle einen
sagenhaften See bannt, der die Stadt zu überfluten droht. Denn im
Volksmund heißt es: Baden ist durch warmes Wasser entstanden und wird
durch kaltes untergehen. Der Gipfel des Bergs liegt allerdings außerhalb
des Stadtgebiets von Baden.
Gabriele Hasmann, Stadtgeheimnisse